Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

„Mit Ionen zur Langzeitstabilität von Implantaten“

Veröffentlicht am 16.03.2020

PD Dr. Dr. Markus Schlee (rechts) Forchheim, und Dr. Florian Rathe vom Forchheimer Kompetenzzentrum (Foto: Schlee)PD Dr. Dr. Markus Schlee (rechts) Forchheim, und Dr. Florian Rathe vom Forchheimer Kompetenzzentrum (Foto: Schlee)Interview mit PD Dr. Dr. Markus Schlee und Dr. Florian Rathe

PD Dr. Dr. Markus Schlee und Dr. Florian Rathe betreiben in Forchheim gemeinsam die Praxis „32 schöne Zähne“ (www.32schoenezaehne.de). Die beiden Spezialisten für Parodontologie und Implantologie forschen seit Jahren zur Verbesserung der Periimplantitistherapie und bieten in ihrer Praxis ein großes Angebot implantologischer, chirurgischer und parodontologischer Leistungen an. Eine davon ist die neue Periimplantitistherapie mit GalvoSurge.

Was macht den langfristigen Therapieerfolg von GalvoSurge aus?

PD Dr. Dr. Markus Schlee: Nur wenn sich der Knochen mit dem Implantat verbindet, hat man die Chance eine erneute Entzündungsreaktion zu vermeiden. Das ist aber bei den bisherigen Verfahren nicht der Fall: Selbst wenn sich der Knochen erneut bildet, verbindet er sich nicht wieder mit dem Implantat. Es kommt, das zeigen wissenschaftliche Daten, zu einer Regeneration von Knochen, der aber nicht an der Implantatoberfläche anhaftet. Das dazwischen eingelagerte Bindegewebe ist für eine erneute Infektion hochsensibel. Mit GalvoSurge dagegen ermöglichen wir eine Reosseointegration. Der knöcherne Defekt muss also reaugmentiert werden. Defekte, die nicht augmentierbar sind, sind auch mit GalvoSurge langfristig schwer zu behandeln. Erreicht man eine Reosseointegration, hat man eine Chance auf Langzeitstabilität der befallenen Implantate. 

Die herkömmlichen Methoden zur Biofilmentfernung an Implantaten sind bislang Standard in der Periimplantitistherapie. Warum wirken sie nicht dauerhaft?

Dr. Florian Rathe: Bei allen bisherigen Methoden wird der Biofilm von außen abgetragen. Dieses Abtragen ist in der Praxis aber oft schwer durchzuführen, denn viele Stellen, wie der Boden der trichterförmigen Knochendefekte oder die Unterseiten der Implantatgewinde sind kaum zu erreichen. Zudem sind moderne mikroraue Oberflächen für ablative Methoden nicht zugänglich und damit nicht zu säubern. 

Darüber hinaus bergen ablative Methoden noch weitere Risiken: Sie können die mechanische Stabilität des Implantats gefährden, sind in der Art der Chirurgie unangenehm, und es verbleiben häufig Reste des Biofilms, die sich schnell vermehren. Pulverstrahlgeräte sind für die chirurgische Anwendung nicht zugelassen, sind unsteril und es besteht das Risiko, dass sie ein Emphysem auslösen. Mit Hilfe der Implantoplastik versucht man die raue Implantatoberfläche zu glätten, hinterlässt aber Titanpartikel und Reste von Poliermedien im Gewebe und schwächt das Implantat signifikant. Auch wenn in Einzelfällen klinische Stabilität mit ablativen Methoden erreicht werden konnte, geht der Großteil der Implantate dennoch verloren oder verursacht wiederholt Probleme. 

Ihr Kooperationspartner für Vertrieb, Marketing und Training ist Nobel Biocare. Beschränkt sich die Anwendung des GalvoSurge-Verfahrens somit nur auf Implantate von Nobel Biocare?

PD Dr. Dr. Markus Schlee: Nein. Mit GalvoSurge lassen sich alle elektrisch leitfähigen, also metallischen Implantatsysteme problemlos reinigen. Uns war es bei der Entwicklung wichtig, dass kein Hersteller von der Nutzung von GalvoSurge ausgeschlossen wird. Derzeit funktioniert das System allerdings nur bei Titanimplantaten. Wir sind aber bereits dabei, eine Lösung für Keramikimplantate zu entwickeln, damit das GalvoSurge-Verfahren einer noch größeren Anzahl von Implantatpatienten zugutekommt.